Heidi mit dem jungen Gesicht

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(Harten) Alkohol gibt es in den USA nur in Liquor Stores. Jack, Johnny & Co. sind in den meisten Supermärkten nicht willkommen. Diese führen in der Regel lediglich eine kleine Auswahl an Bier in Sechserpacks und – je nach Bundesstaat – ein mehr oder weniger umfangreiches Weinsortiment. Will der dürstende Reisende ein etwas ausgefalleneres alkoholisches Kaltgetränk erwerben, muss er, richtig, zum nächsten Liquor Store.

Typischerweise bestechen diese Etablissements durch blinkende Neonschrift, bis zur Decke mit Flaschen vollgestopften Regalen und Kühlschränken, Leuchtstoffröhrenlicht und einem Kassen-Counter, hinter dem eine düster guckende Gestalt sitzt. Mehr gefühlte Bronx geht für den kultivierten Mitteleuropäer nicht und so lädt einen meist auch nichts zum Verweilen und gemütlichen Stöbern ein. Also rein, Alkoholkategorie ansteuern, gewünschte Flasche schnappen und ab zur Kasse.

Der Mann hinter selbiger ist heute Abend ein erstaunlich freundlich lächelnder älterer Mexikaner, der meine Flasche belgischen Cidre wortlos einscannt und mich, als die 4,99 im Kassendisplay aufleuchtet, aufmunternd, aber schweigend anblickt. Ich krame in meinem Portemonnaie – und plötzlich fällt ihm etwas ein. „ID?“ fragt er mit einer vom Rauchen oder einer starken Erkältung angekratzten Stimme. Aus irgendeinem Grund spricht er allerdings ein leicht aspiriertes H vor dem I und so verstehe ich im ersten Moment „Heidi?“. Krass, denke ich, ich sehe wohl doch so deutsch aus, dass er das auf den ersten Blick sieht und nun will er sich vergewissern, dass ich wirklich aus dem Land mit den Bergen komme. Bevor ich eine Antwort stammeln kann (ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie diese genau ausgefallen wäre) wiederholt er seine Frage und diesmal checke ich, was er will. Ich reiche ihm also meinen Pass und als er mein Geburtsdatum liest, hebt er erstaunt die Augenbraue. „1979? Really???“. Ich nicke. Er schaut mich mit auf die Seite gelegtem Kopf an, dann schüttelt er selbigen. „You face no old“, schmunzelt er.

Ich hätte genau da über die Theke klettern und ihn knutschen können! Stattdessen lächele ich würdevoll, packe meinen Pass wieder ein, zahle und verabschiede mich mit einem „Have a good night!“. Liquor Stores sind großartig!

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