Reine Wissenschaft oder: The Big Bake Theory

Schoko-Kaffee-Gugl

NaHCO3, NaCl, H2O, C12H22O11 – beim Backen geht es mitunter zu wie im Labor. Manchmal glaube ich, dass genau das einer der Gründe ist, warum es mir solchen Spaß macht. Ein alternativer Lebensweg hätte mich nämlich ebenso gut anstatt in die Werbung in die (Natur-)Wissenschaft führen können: In der Schulzeit waren Chemie und Biologie zwei meiner erklärten Lieblingsfächer. Diese Leidenschaft teilte ich allerdings nur mit einem kleinen, sagen wir „ausgesuchten“ Kreis von Mitschülern. Unser Oberstufen-Chemiekurs war mangels Teilnahmeinteresse der wohl kleinste Kurs des gesamten Jahrgangs und ich bin sicher, hätte es damals schon „The Big Bang Theory“ im Fernsehen gegeben, ein jeder von uns hätte ganz schnell seinen entsprechenden Spitznamen weggehabt. Ja, wir waren schon eine Gruppe von Nerds, die da mehrere Stunden pro Woche zusammenkam und sich die Köpfe über chemische Reaktionen, Molekülketten und Atome heiß redete. In meinem Zimmer zu Hause hing das Periodensystem der Elemente an der Wand und ich war unendlich stolz darauf, dass ich es (annährend) auswendig konnte. Muss ich noch mehr sagen?

Die Chancen, dass ich nach dem Abitur eine Karriere im Labor einschlagen würde, standen damals also durchaus gut. Und auch heute noch bin ich ganz fasziniert von chemischen Prozessen – besonders von solchen, die als Endresultat einen herrlichen Kuchen hervorbringen. Kürzlich testete ich für eine Gugelhupf-Variante die Reaktion von Backpulver mit heißem Wasser. Die Wärme des Wassers wirkt als direkter Reaktionsbeschleuniger für das Backpulver und lässt den Teig bereits aufgehen, bevor er überhaupt in den Ofen kommt. Das Ergebnis ist ein ganz besonders leichter und fluffiger Kuchen (Rezept siehe unten). Quod erat demonstrandum: Back-Kunst ist reine Wissenschaft.

Was letztlich übrigens meinen Sinneswandel bezüglich meiner Berufswahl genau veranlasst hat, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr ganz genau. Aber so ist das nun mal mit den Lebensentscheidungen (Robert Frost und die zwei Wege im Wald und so) – statt Laborkittel und Schutzbrille trage ich heute COS-Kleidchen und ein hippes Tom Ford-Gestell, Kategorie Nerdbrille. Ha, Moment, da ist es ja wieder! Ich kann meine Vergangenheit wohl doch nicht ganz abschütteln. Ich sag’s ja immer: Du kriegst das Mädchen aus dem Labor, aber das Labor nicht aus dem Mädchen…

 

Schoko-Kaffee-Gugl2

 

Marmorierter Schoko-Kaffee-Gugelhupf mit karamellisierten Walnüssen

Für den Teig
250 gr weiche Butter
300 gr Zucker
4 Päckchen Vanillezucker
4 Eier
300 g Mehl
1 Päckchen Backpulver
50 gr Kakaopulver
80 ml Milch
1 Tasse sehr starken Espresso, abgekühlt (ca. 40ml)
2 TL Instant-Kaffee- oder Caro-Kaffee-Pulver
125 ml heißes Wasser
Fett und Mehl für die Form

Für den Guss
200 gr dunkle Kuvertüre
150 gr Puderzucker
ca. 1/2 Tasse Espresso

Für die karamellisierten Walnüsse
1 kleine Handvoll Walnüsse
2 EL Zucker

Backofen auf 180 Grad, Umluft 160 Grad vorheizen.

Butter, Zucker und Vanillezucker mit den Quirlen des Handrührers mindestens 3 Minuten schön cremig schlagen. Eier einzeln unterrühren.Ein Drittel der Butter-Zucker-Ei-Masse in eine seperate Schüssel füllen.

Mehl und Backpulver mischen, ebenfalls ein Drittel beiseite stellen. Den Kakao unter den größeren Teil des Mehls mischen und im Wechsel mit der Milch unter den größeren Teil der Butter-Zucker-Ei-Masse rühren.

Das übrige Mehl-Backpulver-Drittel mit dem Kaffeepulver verrühren und im Wechsel mit dem abgekühlten Espresso unter das kleinere Drittel der Butter-/Zucker-/Ei-Mischung rühren.

125 ml Wasser aufkochen und ganz heiß im ein Drittel-/zwei Drittel-Verhältnis unter die Teige rühren.

Die Schoko- und den Kaffeeteig abwechselnd in eine gefettete und mit Mehl ausgestreute Gugelhupf-Form (Achtung, die Form sollte relativ groß sein, da der Teig sehr aufgeht. Ideal sind Formen für etwa 2l Inhalt) geben und miteinander marmorieren. Mit Schokoteig starten und aufhören. Jetzt ganz schnell damit in den Ofen, denn nach Zugabe des heißen Wassers beginnt das Backpulver wie oben erwähnt sofort zu arbeiten. Der Teig braucht jetzt schnell weitere Hitze.

Sobald der Kuchen im Ofen ist, Nüsse grob hacken und den Zucker in einer Pfanne mit schwerem Boden schmelzen, bis er flüssig und hellgelb-klar ist. Die gehackten Nüsse zugeben und verrühren, bis sie komplett von Zucker überzogen sind. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen und zum Kuchen in den Ofen geben. Ca. 15 Minuten oder bis die Nüsse leicht gebräunt sind im Ofen lassen.

Den Kuchen etwa 40-50 Minuten backen. Zur Probe mit einem Holzstäbchen tief in den Teig stechen – wenn kein Teig mehr daran klebt, ist er gar.

Herausnehmen, etwa 10 Minuten in der Form abkühlen lassen, dann aus der Form stürzen und auf einem Kuchengitter völlig auskühlen lassen.

Für den Guss Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und den Kuchen damit in Bahnen überziehen. Puderzucker mit Espresso glatt rühren und von einem Löffel über und neben den Schokoguss laufen lassen. Den Kuchen direkt im Anschluss mit den karamellisierten Walnüssen bestreuen.

(Rezept abgewandelt von http://www.brigitte.de/rezepte/rezepte/schoko-gugelhupf)

Schoko-Kaffee-Gugl_Piece

PS: Wer es nicht schon ergooglet hat – in der ersten Zeile dieses Textes steht „Natron, Salz, Wasser, Zucker“ ;-)

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