Stay Wild, Child

Die Sonne brennt kleine Löcher auf meine Arme. Auf meinem Rücken hat sich ein feines Tropfennetz aus Schweiß gebildet. Nicht mehr lange, und es werden sich genug kleine Tropfen zusammengefunden haben, um einen großen, schweren Tropfen zu bilden, der genüsslich meine Wirbelsäule herunterlaufen wird. Als Kinder haben wir auf regnerischen Autofahrten oft „Tropfenwettrennen“ gespielt. Das Spiel war so einfach wie endlos: Jeder suchte sich einen Tropfen am oberen Rand eines Autofensters aus und wessen Tropfen als erster am unteren Fensterrand angekommen war, der hatte gewonnen. Nächster Tropfen, nächster Kilometer. So kamen wir gut unterhalten von A nach B.

Prüfender Blick in den Himmel: Nach Regen sieht es gerade nicht aus. Sommer seit ein paar Wochen, endlich! Ich liebe nichts mehr als blondes Gras auf den Feldern, blauen Himmel schon beim Aufwachen und Abende, an denen man bis spät keine Jacke braucht. Ein Freund sagte neulich, es wäre dieses Jahr ein wilder Sommer. Er meinte das beruflich. So viel zu tun, so viele Aufträge, so viele Überstunden. Ich überschlug kurz meine persönliche Historie von „wilden Sommern“. Mit 10 Jahren hieß ein wilder Sommer, dass ich so viel Eis essen durfte, wie ich konnte, und so lange aufbleiben durfte, wie ich wollte. Mit 20 war ein wilder Sommer, bis ins Blau des Morgens hinein…

Schöne schwarz-weiße Welt

Eine der größten Herausforderungen vor denen wir jeden Tag stehen ist, wie wir mit negativen Gedanken und Gefühlen umgehen. Techniken aus Achtsamkeit oder Yoga können uns dabei helfen, dass uns schwierige Situationen nicht in einen endlos dunklen Strudel hinabziehen. Wenn wir sie denn anwenden. In der Regel versuchen wir lieber, negativen Gefühlen systematisch aus dem…

Begegnungen

Die Seele reist langsamer als der Körper. Diese wahnsinnig schlaue Beobachtung hat mein Lieblingsschriftsteller Helge Timmerberg angestellt. Timmerberg ist mit 17 das erste Mal von Deutschland nach Indien getrampt und seitdem in irgendeiner Form immer unterwegs gewesen. Heute ist er knapp 60. Er muss es also wissen. Auch ich kenne das Gefühl, zwar physisch an…

Räucherstäbchen und Benzin

Der Wind weht zerrupfte Geräusche an mein Ohr: Motorroller, die vorbeibrausen, Gesprächsfetzen, Gehupe, das Lachen einer Frau, das metallisch-melodische Klingen der Gamelan. Die Luft riecht nach Räucherstäbchen und Benzin. Für einen Moment schließe ich die Augen. Ich bin zurück auf Bali. Nach ziemlich genau neun Jahren stehe ich wieder auf den kaputten Bürgersteigen von Ubud….

Go with the Flow

Vergangenen Herbst hatte ich das Vergnügen, den Amerikaner Jason Silva, „Tech Philosopher and Futurist“ (so die Bezeichung auf seiner offiziellen Präsenz im World Wide Web), kennenzulernen. Okay, „kennenlernen“ ist jetzt vielleicht ein klein wenig übertrieben. Ich lauschte auf einem Event, für das ich PR machen sollte, einem seiner Vorträge, schüttelte ihm vorher die Hand, fragte…