Der beste Ort, an dem man heute sein könnte

The Best Place to be Today

Ich sollte heute eigentlich am Mount Wakakusa in Nara, Japan, sein. Sagt zumindest das Buch „The Best Place to be Today“. Die Autoren aus dem Lonely Planet-Verlag haben darin für jeden Tag des Jahres einen speziellen Ort oder ein Event aufgelistet – sollte man mal spontan nicht wissen, was man mit dem vor einem liegenden Tag anfangen soll. Und den 24. Januar, steht da, solle man am besten am Berg Wakakusa verbringen. Dann ist dort nämlich „Yamayaki“, ein einmal im Jahr stattfindendes Feuerspektakel, bei dem das trockene Gras des Berges mit Einbruch der Dunkelheit absichtlich in Brand gesetzt wird. Anschließend werden hunderte von Feuerwerkskörpern über der lodernden Fläche gezündet – fast so, als wäre es nicht genug, dass die Erde lichterloh brennt; nein, auch der Himmel muss in Flammen stehen.

„Yamayaki“ heißt wörtlich übersetzt soviel wie „Berg-Röstung“ und angeblich geht die seit mehreren Jahrhunderten praktizierte Tradition der kontrollierten Grasverbrennung auf eine Fehde zwischen zwei in der Nähe des Berges liegenden Tempeln zurück, die sich über die Abgrenzung ihrer Gebiete nicht einig werden konnten. Auf dem Höhepunkt ihrer Auseindersetzungen wurde das Zentrum ihres Konfliktes, der genau in der Mitte liegende Berg, in Flammen gesetzt. Nirgendwo ist so richtig überliefert, ob das dann das Problem gelöst hat, aber sei es drum – das Ereignis wird seitdem gefeiert, indem man genau diesen Berg jedes Jahr aufs Neue anzündet.

The Best Place to be Today_inside

Die Bilder, die ich dazu im Netz finde, sehen wirklich spektakulär aus. Feuer hat einfach eine kaum beschreibbare Faszination aus Gefahr und Geborgenheit – warm und beschützend auf der einen, gefährlich und vernichtend auf der anderen Seite. Wie ein zuckender, züngelnder Teppich aus Licht und Hitze liegt die dunkelorange, grell- und goldgelb leuchtende Flammenfläche auf dem Berg, während der Himmel darüber in allen Farben explodiert. Ja, das scheint mir wahrlich ein guter Ort zu sein, um den heutigen Tag zu verbringen.

Aber Moment, ich sehe gerade, dass das Buch im Kleingedruckten angibt, dass sich das genaue Datum des Festivals jedes Jahr ändert. Es ist immer am letzten Samstag im Januar und damit in diesem Jahr gar nicht am 24.01., sondern hat bereits am 23. stattgefunden. Leider machen die Autoren keinen alternativen Vorschlag für den 24. Januar, der nächste Eintrag ist für den 25. Januar. Das macht mich heute dann wohl zum Wanderer zwischen den Welten. Ach, kein Ding, bleibe ich einfach hier. Dann ist hier eben der beste Ort, an dem man heute sein könnte.

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